Volkswagen Magazin

Am Anfang war die App. „Sound Journey“ in diesem Fall, eine von Volkswagen entwickelte mobile Anwendung, die Autofahrern ein maßgeschneidertes Musikerlebnis bietet, da sich die Musik von „Sound Journey“ der jeweiligen Fahrsituation anpasst. Und am Ende einer viermonatigen Entwicklungszusammenarbeit liegen nun Hunderte ausleihbare iPods im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) aus, die den Besuchern der aktuellen Björk-Schau – mittels einer Audio-Tour auf „Sound Journey“-Basis – eine ganz neue Museumserlebnisdimension ermöglichen.

„Björk“

Bis zum 6. Juni 2015 zeigt das Museum of Modern Art in Manhattan eine Retrospektive der isländischen Popmusikerin. Zu sehen sind Björks innovativste Projekte, u. a. Videos, Original-Instrumente und -Kostüme.

Das ist nicht irgendein Erfolg. Es ist das erste Mal in der Unternehmensgeschichte, dass Volkswagen Techniker einen derart integralen Beitrag zu einer künstlerischen Schau im vermutlich maßgeblichsten Museum der Gegenwart leisten. Der Grundgedanke ist dabei so einfach wie naheliegend – gerade wenn es um die Retrospektive einer Multimedia-Trendsetterin wie der Isländerin Björk geht. Hier eine Automarke, die in ihrem Electronics Research Lab (ERL) im Silicon Valley seit Langem systematisch erforscht, wie Software unser Da- und Unterwegssein verbessern kann. Dort eine Künstlerin, die seit ihrem „Debut“-Album 1993 die Wechselwirkungen von musikalischer Grenzerfahrung, digitaler Ästhetik und technologischen Darstellungspotenzialen wie kaum eine Zweite erkundet und 2011 neue Maßstäbe für die Branche setzte, als sie „Biophilia“ als Serie von zehn Song-Apps fürs iPad veröffentlichte. Die User konnten dabei unter anderem wesentliche Teile des Albums neu arrangieren.

Der Impuls für die aktuelle Kooperation kam vonseiten der Kunst. Als sich das MoMA beim ERL erkundigte, ob sich für die Inszenierung der Björk-Schau etwaige Innovationen aus Kalifornien nutzen ließen, bot ERL-Spezialistin Tina Unterländer einen umgehenden Blick auf die „Sound Journey“ App an – die App hatte das Team soeben für den Einsatz mit dem neuen Infotainment-System MIB2 entwickelt.
Seit rund siebzehn Jahren forschen die rund 150 ERL-Mitarbeiter an Applikationen, Interfaces und Assistenzsystemen für zukunftsweisende Mobilität. „Die Idee von ‚Sound Journey‘ bestand darin, unseren Kunden eine Art ganzheitliches Multimedia-Fahrerlebnis anzubieten“, sagt Unterländer.

Rund 150 Mitarbeiter forschen im Electronics Research Lab an Assistenzsystemen, Interfaces und Infotainment Apps.

Die MoMA-Kollegen zeigten sich ad hoc begeistert. Gemeinsam mit den Soundspezialisten des Stuttgarter Unternehmens Klangerfinder adaptierten die Volkswagen Techniker das Potenzial der Software für die Belange der Musikerin aus dem Geysir-Land. Während „Sound Journey“ Faktoren wie Tempo und Drehzahl, Beschleunigung oder Bremsen in die (eigens komponierte) Musik einfließen lässt und mithin für jede Situation den maßgeschneiderten Sound erstellt, nutzt das MoMA die digitale Intelligenz für den Museumsrundgang. Je nachdem, in welchem Raum sich Besucher befinden, wo sie verweilen, in welche Richtung sie schauen oder wie zügig sie sich fortbewegen, passt sich die von Björk persönlich mit neuer Musik, Klangsphären und Lyrics versehene Tonspur an. Das Ergebnis: Jeder macht seine eigene Björk-Klangerfahrung, es entsteht ein auf jeden Typ und jedes Tempo abgestimmtes Sounderlebnis.

Sound Journey

Die App wurde vom Electronics Research Lab (ERL) der Volkswagen AG im Silicon Valley entwickelt und kommt bislang im neuen Passat und im neuen Polo zum Einsatz. Sie liefert ein Sounderlebnis, das nach Faktoren wie Tempo, Drehzahl und Fahrverhalten maßgeschneidert wird.

» Die internationale Kunst- und Kulturförderung gehört zu den Kernzielen unseres gesellschaftlichen Engagements. «

Benita von Maltzahn, Leiterin des Bereichs „Kultur und Gesellschaft“ in der Volkswagen Konzernkommunikation.

Die Kooperation zwischen Volkswagen Technikern und dem MoMA-Team um Direktor Klaus Biesenbach sind der jüngste Höhepunkt des intensivierten internationalen Kunst-Engagements der Wolfsburger, das 2011 mit der Partnerschaft zwischen Volkswagen of America und dem Museum of Modern Art in New York (MoMA) einen spektakulären Ausgang nahm. Inzwischen blicken beide Partner auf vier gemeinsame Jahre zurück, während derer mehr als 2.000 Studenten aus mehr als 60 Ländern die gemeinsam entwickelten Online-Kurse belegten. Und mithilfe des Volkswagen Performance Dome kann der erfolgreiche MoMA-Ableger PS1 im Stadtteil Queens seine Sunday Sessions – ein wöchentliches Kulturprogramm mit Performances, Videos, Musik, Tanz und Gesprächen – seither auch in den Wintermonaten abhalten.

MoMA

Im Volkswagen Performance Dome richtet der MoMa-Ableger PS1 seine Sunday Sessions aus.

Die Schau „Alibis: Sigmar Polke 1963–2010“ (Foto oben) ist bis 5. Juli 2015 im Kölner Museum Ludwig zu sehen.

Volkswagen und MoMA, das passt: Das 1929 gegründete Museum, seit Jahrzehnten das vermutlich bedeutendste weltweit, verkörpert wie kaum ein anderes jenen alle Bevölkerungsschichten ansprechenden Kulturgedanken, wie ihn auch Volkswagen in seiner Markenkultur pflegt. „Der Bildungsgedanke ist bei all unseren Kunst-Kooperationen ein wichtiges Kriterium. Die internationale Kunst- und Kulturförderung gehört zu den Kernzielen unseres gesellschaftlichen Engagements“, sagt Benita von Maltzahn, die Leiterin des Bereichs „Kultur und Gesellschaft“ in der Volkswagen Konzernkommunikation. Zu den ausstellerischen Highlights zählte bislang u. a. „Alibis: Sigmar Polke 1963–2010“, die erste umfassende Retrospektive des vor fünf Jahren verstorbenen deutschen Künstlers, der gemeinhin als einer der einflussreichsten seiner Generation gilt. Die quer über alle Länder und Gesellschaftsschichten, Geschmäcker und Konventionen inspirierende Arbeit des gebürtigen Schlesiers steht neben dessen multimedialer Vielseitigkeit im Fokus der Schau, die derzeit (bis zum 5. Juli) im Kölner Museum Ludwig zu sehen ist.

Neben dem MoMA bildet die Zusammenarbeit mit der Neuen Nationalgalerie inzwischen eine schillernde Konstante im Volkswagen Kulturengagement. Als die deutschen Elektropioniere Kraftwerk mit acht Konzerten im Januar in dem Berliner Mies-van-der-Rohe-Bau gastierten und jeden Abend eines ihrer Alben in 3-D inszenierten, waren die Tickets binnen weniger Tage vorab ausverkauft. Ein weiteres Highlight bildete im vergangenen Jahr die erste umfassende Werkschau des impressionistischen Bildhauers Rembrandt Bugatti (1884–1916). Der Italiener, der zu den bemerkenswertesten und originellsten Skulpturisten im frühen 20. Jahrhundert zählte, ist zwar in einigen großen Museen weltweit zu sehen und auf dem Kunstmarkt im Millionenbereich bewertet, war allerdings einem größeren Kunstpublikum bis heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Bis zu ebendieser Ausstellung.


Vielfalt und schrankenfreie Kunst – das sind Aspekte, wie sie ideal zur in Wolfsburg gepflegten Konzernkultur passen. „Andere Unternehmen sammeln Kunst oder machen sie selbst“, sagt Benita von Maltzahn. „Wir setzen uns vor allem dafür ein, dass Kunst in ihrer Vielfalt breite Bevölkerungsschichten erreicht und als Anstoß zum eigenen kreativen Handeln dient.“ Für die kommenden Jahre ist u. a. ein verstärktes Engagement in Chinas Kunst und Kultur geplant.

Kraftwerk

Die 1970 von Ralf Hütter und Florian Schneider gegründete Band gilt als Pionierin des Elektropop. Ihre acht Konzerte im Januar in dem Berliner Mies-van-der-Rohe-Bau waren innerhalb weniger Tage ausverkauft.

Die Neue Nationalgalerie zeigte 2014 die erste umfassende Werkschau des Bildhauers Rembrandt Bugatti.