Volkswagen Magazin

Innovation

Ganz schön bunt hier.

So ein Gelb gab’s noch nie: Kurkuma heißt die neue Trendfarbe, in der auch der Arteon erhältlich ist. Wie arbeiten Designer, wenn sie Autofarben entwickeln? Und wie entstehen die Paletten für unterschiedliche Modelle? Acht Geschichten aus der Farbenwelt von Volkswagen.

Fotos Volkswagen AG, Shutterstock

Kurkuma: Lange Zeit hat man bei dem Begriff vor allem an die indische Küche gedacht. Ab sofort ist Kurkuma nicht nur ein Gewürz – sondern auch eine Volkswagen Farbe. Schon das Update des Golf kam in diesem Ton in den Handel. Jetzt brilliert auch der Arteon, das neue Fastback-Modell mit der coupéhaften Linie, in der markanten, schillernden Gelbnote.

„Eine Farbe wie Kurkuma wäre vor zwölf Jahren noch gar nicht möglich gewesen, da die Pigmentwelt damals noch nicht so weit war“, sagt Susanne Gerken, Farbdesignerin im Color-&-Trim-Team bei Volkswagen. Zusammen mit ihrer Kollegin Astrid Göring hat Gerken den Farbton entwickelt. Neue Trendfarben finden sich in der Regel zunächst in der Mode, dann auf Möbeln und später auf Fahrzeugen.

Dem Farbtrend immer zwei Schritte voraus: die Designerinnen von Volkswagen.

Astrid Göring (l.) und Susanne Gerken vom Color-&-Trim-Team bei Volkswagen.

„Diese Veränderungen sehen auch Kunden und ihr Geschmack verändert sich mit“, sagt Gerken. Um den richtigen Ton zu treffen, vergehen vom ersten Entwurf bis zum fertigen Lack zwei bis drei Jahre.

Bei der Entwicklung einer neuen Nuancierung schauen die Farbdesigner bei Volkswagen zunächst auf die bestehende Farbpalette. „Da fehlte Gelb. Ich wollte gern eine warme, auffällige Farbe, die brillant sein sollte“, sagt Astrid Göring. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – nun auch endlich live auf der Straße. Ein willkommener Anlass, um den zwei Designerinnen noch einige weitere überraschende Geschichten über die Farbenwelt von Volkswagen zu entlocken.

1. Jedes Land färbt anders.

Die Farbvorlieben der internationalen Märkte von Volkswagen unterscheiden sich teilweise stark. Jedes Land hat seine Präferenzen und Einschränkungen – das kann an Geschmacksfragen liegen, aber auch an regionalen Traditionen oder gesellschaftlichen Bedeutungen. Die Designer fragen daher immer in den Märkten an, ob eine Farbe dort erwünscht, toleriert, verboten oder gar verehrt wird. Auch meteorologische Faktoren spielen eine Rolle: Wo die Sonne stärker scheint, wirken Farben anders.

Die Farbpaletten der sieben Golf Generationen (Beispiel deutscher Markt)

2. Die Siebziger waren bunter.

Was gleich auffällt, wenn man die historischen Farbpaletten des Golf durchblättert: 1974, beim Golf I, war der Mut zu eher schrillen Farben wie Marinogelb und Cliffgrün noch viel größer als bei den Folgegenerationen. „Ich vermute, dass die Kunden damals stärker an aktuellen Trends interessiert waren“, sagt Designerin Astrid Göring. „An den Wiederverkaufswert wurde wohl noch weniger gedacht. Mit Schwarz, Weiß oder Grau geht man in dieser Hinsicht natürlich mehr auf Nummer sicher.“ Den ersten schwarzen Golf gab es erst 1991. Dass die Paletten heute insgesamt gedeckter sind, hat auch mit den komplexeren Ausstattungsoptionen zu tun: Je mehr Kombinationsmöglichkeiten es gibt, desto wichtiger ist, dass die Karosseriefarben sich kompatibel zeigen.

3. Nicht jedem Auto steht jede Farbe.

Unifarben ohne Effekte: Zum up! und zum Beetle passen sie am besten. Der Farbton Denim Blue beispielsweise unter­stützt die Formgebung des Beetle perfekt. Für einige andere Modelle würden solche Farben wiederum nicht infrage kommen: Ein Hellblau Uni würde zum Beispiel beim Touareg die Form verschlucken. „Das sähe dann aus wie ein fahrender Legostein“, sagt Designerin Astrid Göring lachend.

4. Es gibt eine ganze Menge neuer Trends.

Aktuell angesagte Farben bei Volkswagen – erklärt von den Designerinnen Susanne Gerken und Astrid Göring.

Grün

„Grün stimmt positiv, ist Hoffnung. Die neutrale Farbe zwischen warm und kühl steht für Natur und Wachstum.“

Petrol

„Petrol hat Würde. Seine Ausstrahlung ist immer intensiv, kraftvoll, tiefgründig. Immer ein eleganter Blickfang.“

Bordeaux

„Je dunkler das Rot ist, desto mehr steht es für Reife. Das Rot mit dem Tropfen Schwarz wird mit Lebenskraft und ruhiger Sinnlichkeit verbunden.“

Orange

„Die Farbe ist ein Mix aus Licht und Wärme, ist gesellig, fördert kreatives Denken und vermittelt Mut und Hoffnung.“

5. Der neue Shootingstar heißt Grün.

Noch vor Jahren dachte man bei grünen Autos zuerst an Frösche und Förster. Heute sind sie die überraschenden Shootingstars im Farbspektrum: Grüntöne – von Moos- über Flaschen- bis Viperngrün. „Grün war für Volkswagen lange Zeit keine wichtige Farbe“, sagt Designerin Susanne Gerken. „Das hat sich geändert. Alle sind offener geworden, bei der Marke wie in der Gesellschaft.“ Rosige Zeiten für die Karosseriefarbe Grün.

6. Ein Auto darf gern auffallen.

Die eigene Individualität zu zeigen, auch bei der Wahl der Autofarbe – das war gesellschaftlich nicht immer so akzeptiert und gewünscht wie heute. Es fällt auf, dass bei den Kunden seit einiger Zeit die Nachfrage nach Nischenfarben immer größer geworden ist. Ein amerikanisches Sondermodell des Beetle wurde sogar in Pink aufgelegt. Auch farbige Dächer oder Spiegelkappen und bunte Räder werden häufiger gewünscht. „In schwierigen Zeiten werden die Kunden oft mutiger, haben Lust auf Veränderung und Positivität und kaufen mehr bunte Autos“, sagt Designerin Astrid Göring. „In guten Zeiten werden die Menschen dagegen vorsichtiger.“

7. Lack ist nicht gleich Lack.

Volkswagen hat bis zu 80 verschiedene Lacke im Angebot, in Uni oder mit Metallic- oder Perlmutteffekt. Die Klassiker: Tornadorot, Pure White oder Oryxweiß, die teuerste Farbe im gesamten Sortiment. Jährlich entwickeln die Farbdesigner neue Trendfarben – einige Konstanten bleiben freilich im Programm: Weiß steht bei Kunden seit Jahren nach wie vor hoch im Kurs. „Dass es sich so lange in allen verschiedenen Technologien halten und ein echter Silberersatz werden würde, hat uns schon überrascht“, sagt Designerin Susanne Gerken.

8. Jeder ist sein eigener Designer.

Der Trend zum Individualismus reicht noch tiefer: Dass man den eigenen Lebensraum selbst gestaltet, ist heute selbstverständlich – und das Auto gehört dazu. Dabei umfassen die Wahlmöglichkeiten nicht mehr allein die Karosseriefarbe. Beim up! kann der Kunde beispielsweise aus mehreren Kombinationen wählen und die Farben von Karosserie, Außenspiegeln, Rädern und Dach individuell aufeinander abstimmen.