Volkswagen Magazin

In diesem Jahr feiert der Polo seinen 40. Geburtstag. Zum Jubiläum kann er eine stolze Bilanz vorweisen: Seit er 1975 auf dem Genfer Autosalon erstmals präsentiert wurde, verkaufte er sich über 15 Millionen Mal. Aus aktuellem Anlass haben wir echte Fans im Ruhrgebiet besucht. 

Die Fans

Sebastian Winkler (Foto l.), 36, Immobilienkaufmann, besitzt u. a. einen Öko-Polo, BJ 1987.
George Kasberger (2. v. l.), 63, Kfz-Meister, fährt Polo Steilheck, BJ 1986.
Günther Ebschke (3. v. l.), 63, Kfz-Meister, besitzt u. a. einen Polo G40, BJ 1987.
André Kasberger, 29, (2. v. r.), Kirchenverwaltungsfachangestellter, fährt einen G40 2F, BJ 1993 in Schwarz.
Ralf Petruck (r.), 46, Fernmeldeingenieur, fährt Polo G40, BJ 1989, in Rot. 

»Der G40 war für mich immer ein Traumauto.« 

Ralf Petruck

Dank der Direkteinspritzung des Diesels ist der Motor des Öko-Polo besonders effizient.
Ralf Petrucks restaurierter G40 von 1988: Karierte Stoffsitze, ein Feuerlöscher und Fußmatte gehören zur Ausstattung.

»Die Liebe zum Polo hat mein Vater mir vererbt.« 

André Kasberger

Sebastian Winkler: Die Liebe zum Schrauben und die Leidenschaft für starke Motoren gehören zum Ruhrgebiet. Wir leben hier nach wie vor an einem Industriestandort – obwohl viele Zechen und Werke stillgelegt sind und neu genutzt werden.

George Kasberger: Mich hat der Audi 50 infiziert, das war ja quasi der Vorläufer des Polo. 1977 bin ich mit ihm die ersten Rennen gefahren, danach mit dem Polo 2. Ich bin Kfz-Meister und habe in einer Volkswagen Werkstatt meine Lehre gemacht, später meinen Meister. Tuning war meine Leidenschaft, ich setzte Motoren instand und bereitete sie für den Motorsport auf. Ich habe das von der Pike auf gelernt, damals in den 70ern. Die besten Rennen fuhr ich im Polo, am Nürburgring habe ich mehrere Klassensiege geholt. Das war einfach spitze, da mit einem Kleinwagen mitzumischen. Der Charme dieses Autos ist sein Understatement. 

André Kasberger und Sebastian Winkler im Öko-Polo.
George Kasberger (Mitte) kennt sich mit Motoren gut aus.

André Kasberger: Mein Vater hat im Motorsport gearbeitet und hat mir wohl seine Faszination für Motoren und antriebsstarke Autos vererbt. Ich bin mit dem Polo aufgewachsen. Als ich geboren wurde, kaufte der Vater der Mutter einen Polo Steilheck und rüstete für mich einen Dreipunktgurt nach. In unserer Familie nennen wir den Wagen liebevoll „die Ferkelkiste“, wegen seiner eckigen Form. Der bot damals Platz, wenn die Mutter einkaufen war oder wir mal in den Urlaub gefahren sind. Als ich auf der Suche nach einem Auto für mich war, bin ich im Internet über einen G40 gestolpert. Das Modell ist die sportliche Version des 2F, davon gibt es nur noch 900 Autos.

George Kasberger: Wir haben uns den G40 angesehen und ich wusste, der Wagen ist top. Er war aus Privatbesitz und nur wenige Kilometer gefahren. Außerdem war er regelmäßig bei Volkswagen gewartet worden. 

»Den Öko-Polo mag ich am liebsten.« 

Sebastian Winkler

Sebastian Winkler: Das Herz des Polo G40 ist der G-Lader. Mich hat dieser Motor von Anfang an fasziniert, ich habe inzwischen mehrere Modelle zu Hause. Wenn man sich den G-Lader genau anschaut, sieht man, dass er im Inneren eine Schnecke hat, die die Luft fördert. Die Luft wird angesaugt und in der Schnecke verdichtet. Die Kontur dieser Schnecke erinnert an ein G. Und daher hat der G-Lader auch seinen Namen. Die 40 steht für die Breite des Verdrängers, das sind 40 Millimeter. Neu war der Direkteinspritzer, Diesel oder Benzin wurde direkt in den Motor eingespritzt. Das gab mehr Power und war effizienter. 

George Kasberger: Ich habe damals schon den Witz gemacht, dass ich aus meinen ganzen Polos mal Oldtimer mache. Auch aus dem Polo Steilheck, den ich meiner Frau gekauft habe und mit dem der André groß geworden ist, unsere Ferkelkiste. Damals haben noch alle gelacht. Heute fahren wir immer noch damit, inzwischen seit 23 Jahren. Da war nie groß was dran. Heute hat der Polo tatsächlich ein Oldtimer-Kennzeichen. Freunden von damals kann ich nun beweisen, dass sich der Witz bewahrheitet hat. Der Polo Steilheck und der G40 gehören fest zur Familienflotte.  

Die Rarität

Sebastian Winkler, 36, besitzt einen Original „Öko-Polo“ von 1987. Von dem Auto wurden lediglich drei Prototypen gefertigt und 49 Modelle gebaut. Volkswagen nutzte sie als Studienfahrzeuge, die besonders ressourcenschonend umgebaut wurden. Die Flotte wurde dann im Berliner Stadtgebiet unter Alltagsbedingungen getestet. Der Öko-Polo besaß z. B. eine Schwung-Nutz-Automatik und den Vorläufer eines Rußpartikelfilters. Auf einer Tour nach Marseille verbrauchte er nur 1,7 Liter bei 60 km/h auf der 1.400 km langen Strecke. 

Ein Wackeldackel als Accessoire für die Hutablage des Polo G40.

»Mit dem Polo G40 habe ich viele Rennen gewonnen.« 

Günther Ebschke

 

Günther Ebschke ist viele Slalomrennen gefahren.

Günther Ebschke: Obwohl er keine Servolenkung besitzt, hat der Polo diese Leichtigkeit. Meiner Ansicht nach ist der G40 das beste Auto, das Volkswagen je gebaut hat. Er ist besonders robust, an meinen Fahrzeugen war nie etwas dran. Kerzen austauschen, Ölwechsel, mehr musste man nicht machen. Ich bin viele Jahrzehnte mit dem Polo Rennen gefahren. Seine Power hat mir im Slalomsport genutzt. Wenn bei den anderen Fahrern der Turbo eingesetzt hat, war ich schon lange weg. Denn der G-Lader hat kein (Anm. d. Red.: früher übliches) Turboloch. Das war während der Rennen immer der Überraschungseffekt. Dann lief mein G40 zur Höchstform auf, schaffte 225 km/h bei 135 PS. Ich habe keinen Porschefahrer vorbeifahren sehen, der nicht die Hand gehoben hätte, wenn er mich später überholt hat. Ich bin ja mit Porschefahrern in derselben Klasse gefahren. 

Ein Slide im Kofferraum des Polo G40.
Der G-Lader ist das Herzstück im Motor des Polo G40.

Das Jubiläum

2015 feiert der Polo gleich zwei Jubiläen. Vor vier Jahrzehnten formte Hartmut Warkuss den Erstling, Nuccio Bertone wirkte am Rande mit. Genau zehn Jahre später, also vor 30 Jahren, wurde eines der legendärsten Modelle des Polo, der G40, präsentiert. Heute ist der Polo nach dem Golf das meistverkaufte Modell in Deutschland – bisher wurden über zehn Millionen Fahrzeuge angemeldet. Unter anderem begeisterte der Kleinwagen durch Facettenreichtum und Typenvielfalt: Legendär sind z. B. der abenteuerliche Farbmix des Harlekin von 1994 oder die Steilheckvarianten des Polo. 

Der Club 

Seit Mitte der 90er-Jahre sind die Fans des Polo lose miteinander verbunden. Sie treffen sich regelmäßig im Ruhrgebiet, fahren gemeinsam zu Oldtimer-Rallyes und haben jedes Jahr einen Stand auf der Techno Classica. Um den Bund zu stärken, haben sie den Club im vergangenen Jahr unter dem neuen Namen VW Polo IG Deutschland e. V. eintragen lassen. Der Fanclub zählt aktuell 21 feste Mitglieder. Sie halten gute Kontakte zu Fans in Holland, England und Österreich.