Volkswagen Magazin

Meine Mutter sagt, ich bin eine andere geworden in den vergangenen drei Jahren. Da könnte etwas dran sein. Alles begann hier in Oschersleben, mit einer Sichtung. Der Weltverband FIA hatte eine Initiative für mehr Frauen im Rennsport gestartet. Mit mir kamen 20 junge Frauen zur Rennstrecke nahe Magdeburg, 200 Kilometer westlich von Berlin. Nach unzähligen Rennen hatte ich die Nase vorn – und einen Startplatz
im Scirocco R Cup! Im Vergleich zu den meisten Jungs war ich mit 19 Jahren schon alt. Man darf bereits ab 16 starten, aber ich habe spät angefangen. Sechs Jahre fuhr ich Go-Kart in Schweden und gewann manches Rennen. Im Rückblick kommt es mir seltsam vor, dass ich, bis ich zwölf war, so gar nichts von Motoren wissen wollte. Barbies, Turnen und Tanzen – das war bis dahin meine Welt. Und das bei meiner Familie. Es schien, als sei ich ein bisschen aus der Art geschlagen.

Manche sagen, in den Adern der Kottulinskys fließe Benzin statt Blut. Mein Großvater Freddy gewann 1980 im Volkswagen Iltis die Rallye Paris–Dakar. Meine Mutter Susanne war 1990 schwedische Rallye-Meisterin. Und natürlich hat sie meinen Vater Jerry kennengelernt, weil sie gegeneinander Rallye gefahren sind. Wen wundert’s, dass mein Bruder Fredrik schon auf seinem Bobby-Car verkündete, dass er Rallye-Weltmeister werden will? Fredriks wegen habe ich viele Wochenenden meiner Kindheit am Rande irgendwelcher Go-Kart-Bahnen verbracht. Und ich mochte es überhaupt nicht. Dass ich den Motorenlärm einmal als Musik empfinden würde und den Geruch von Öl und glühenden Bremsbelägen als Duft, wäre mir nie in den Sinn gekommen.

» Manche sagen, in den Adern der Kottulinskys fließe Benzin statt Blut. «

Die Taste „Sport“ verwandelt den Polo GTI in eine bissige Rennmaschine.

Ich steige ein und drehe ein paar entspannte Proberunden. Auch ohne „Sport Select“ ist der GTI 15 Millimeter tiefergelegt als der Polo, die Kurvenstabilität schon sehr gut. Fahrspaßfaktor: hocherfreulich. Diese Einstellung würde ich draußen auf den Straßen wählen. Da fahre ich zwar sportlich, aber sehr zivilisiert. Ein bisschen bequemer muss die Abstimmung schon sein. Insbesondere auf längeren Strecken oder in der Stadt.
„Sport“-Taste. Ein kurzer Probetritt aufs Gaspedal, aha, seine Geister sind geweckt. Schon der Sound – sehr cool: Es röhrt richtig satt im Innenraum. Als Orientierung zum Schalten brauche ich persönlich das nicht unbedingt, aber es gehört zum Renn-Feeling einfach dazu. Weiter beschleunigen: Dritter, Vierter, Fünfter. Unter der „VW Brücke“ bin ich bei Tempo 175, muss aber abbremsen, um sauber in die Hotelkurve zu kommen. Die fahren wir heute leicht entschärft. Im Rennen muss man hier runter in den Zweiten und einen rechten Winkel fahren.

Jetzt kommt die „Triple“-Kurve links, fünfter Gang. Das ist eine der unangenehmsten Ecken hier in Oschersleben. Bei einem Rennen wurde ich hier mal rausgeschossen. Also runter in den Vierten und noch mal hart beschleunigen. Der Polo macht das wunderbar. Hier macht sich das „Sport Select“-Fahrwerk voll bemerkbar, da kippt und schaukelt nichts. Respekt! Noch einmal hart rechts, dann voll beschleunigen, dritter Gang, vierter.
Dann in die Schikane: schwierige, schnelle Richtungswechsel – rechts, links – hart über die Curbs. Ich spüre Riesenschläge im Auto, aber es bleibt auf Kurs. Beim Ausgang fahre ich bis auf die grüne Markierung hinter den Curbs. Die sind hier nicht aus Zufall: Für die Ideallinie musst du jeden Zentimeter der Bahn nutzen. Jetzt, auf der Gegengeraden, muss ich schnell hoch in den fünften Gang, Top Speed 180, Wahnsinn, fast so schnell wie im Rennen! Dank Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und mithilfe der Schaltpaddel am Lenker geht das in Millisekunden. Dann gleich die Start- und Zielgerade, beschleunigen, Dritter, Vierter, Fünfter – und Finish! Wow!


Ich fahre gleich noch eine Runde, mal sehen, ob ich die Schikane ein bisschen weicher hinbekomme, diesmal. „Sport Select“ ist ein Riesenspaß. Dass die Lenkung so gut anspricht und der Wagen in der Kurve nicht wegbricht, liegt unter anderem am zusätzlichen Ventil in den Stoßdämpfern, das sich schließt, wenn die „Sport“-Taste gedrückt wird. Das verringert die Wankneigung in den Kurven noch weiter und befördert den Fahrspaß in die Nähe eines Rennwagens.

Rennfahrerin Mikaela im knallroten Polo GTI: Nach der ersten Proberunde interessieren sie auch technische Details.

Über technische Details Bescheid zu wissen, ist Teil meines Jobs. Ich bin es, die den Mechanikern erklären muss, wo bei einem Auto die Schwachstellen sind und wie sie es auf mich und meinen Fahrstil anpassen müssen. Ich erlebe leider oft, dass ich von Technikern nicht ernst genommen werde, wenn ich sage: Das und das läuft noch nicht rund. Aber mit Detailwissen verschaffe ich mir Gehör. Ja, es gibt diese typischen Situationen, in denen ich mir als Frau in diesem Business erst einmal Respekt verschaffen muss – ob auf der Rennstrecke, in den Medien oder bei Sponsoren.

Jemand hat mir mal gesagt, es sehe, aus als ob ich tanze, wenn ich um die Kurven fahre. Ein tolles Kompliment, denn es fühlt sich wirklich so an, wenn es gut läuft. Ich weiß, wovon ich rede, ich habe bis vor drei Jahren regelmäßig Modern Dance getanzt und geturnt. Beides war sehr wichtig für mich – das Tanzen für die innere Balance und das Turnen für Kraft und Koordination. Heute mache ich jeden Tag Fitnesstraining. Du musst fit sein, um vorne mitzufahren. Du musst dich 100-prozentig auf deinen Körper verlassen können, auch wenn du im Wagen mit Helm, HANS-Kopf- und -Nackenstütze und Fünfpunktgurt so festgezurrt bist, dass du dich kaum bewegen kannst. Im Cockpit herrschen bis zu 60 Grad und die Fliehkräfte, die auf den Körper wirken, sind enorm. Dem musst du etwas entgegensetzen, das kostet Kraft.

» Ich musste lernen, eine gewisse Coolness zu zeigen. «

Ich liebe den Wettbewerb. Natürlich will ich gewinnen. Ich bin ehrgeizig. Mein erster Sieg, letztes Jahr im Juni am Norisring nahe Nürnberg, war ein einziger Rausch! Ich war die erste Frau, die im R-Cup ein Rennen gewonnen hat. Bei der Siegerehrung hatte ich Tränen in den Augen.
Aber um den Sieg geht es mir nicht in erster Linie. So paradox es klingt: Um richtig schnell zu werden, musst du richtig viel Geduld haben. Meine Eltern werden nicht müde, mir zu erklären, dass es im Rennsport um „Er-Fahrung“ geht. Du wirst mit jeder Runde ein bisschen besser. Wenn ich im Auto sitze und die roten Lichter den Countdown zum Start zählen, denke ich nicht an den Sieg. Dann denke ich im Idealfall gar nichts. Ich verschmelze mit dem Auto. Es gibt kein besseres Gefühl auf der Welt.

Sich beim Rennen Respekt zu verschaffen, ist recht einfach: Wer bremst zuerst?
2013 bin ich einige Male beim Rallye Cup gestartet und war gleich in einige böse Crashs verwickelt, weil ich eben nicht – wie von meinen Gegnern erwartet – als Erste in die Eisen gegangen bin. Man muss es dann drauf ankommen lassen. Auch am Rande der Rennstrecke darfst du keine Schwäche zeigen. Ich musste lernen, immer eine gewisse Coolness zu zeigen. Bloß nicht zu nett mit Gegnern reden! Und wenn’s mal schlecht gelaufen ist: bloß keine Wut zeigen! Diese Attitüde macht einen nicht unbedingt sympathischer. Aber ich bin kein „Grid Girl“, keine Rennsport-Hostess, die zu jedem nett sein muss. Ehrlich gesagt habe ich mich schon öfter gefragt, warum ich eigentlich keinen „Grid Boy“ bekomme. Richtig wütend macht es mich, wenn Journalisten mich fragen, ob ich nicht mal im Bikini posieren möchte. Hallo? Welcher Typ stellt sich bitte in Unterhose neben seinen Rennwagen?
Ich finde es wunderbar, dass im Rennsport Frauen und Männer gegeneinander antreten. Am Ende kommt es nur auf Qualität an. Ich habe ein großes Ziel und einen klaren Plan. Spätestens 2018 will ich in der DTM dabei sein. Und zwar nicht als „Quoten-Girl“. Früher oder später will ich das Ding gewinnen.

Sport Select.

Das Fahrwerk wurde extra für sportlich orientierte Fahrer konzipiert. Sie können unter zwei Abstimmungen wählen:


Die Normalabstimmung ist etwas komfortabler abgestimmt als das konventionelle Sportfahrwerk. Sie ermöglicht es, trotz sportfahrwerkspezifischer Eigenschaften (z. B. Tieferlegung) ganz entspannt unterwegs zu sein.


Die Sportabstimmung ist straffer abgestimmt und führt zu einem dynamischeren Fahrgefühl. Man spürt die Straße und Fahrbahnbeschaffenheit intensiver.


Mit dem „Sport“-Knopf in der Mittelkonsole lässt sich die Fahrwerkabstimmung wählen. Die aktive Abstimmung wird über den Knopf sowie das Display der Multifunktionsanzeige gezeigt. „Sport Select“ ist für diverse Polo Modelle verfügbar.


Das erweiterte „Sport Performance Kit“
bietet Volkswagen exklusiv im Polo GTI. Es enthält u. a. Gaspedalkennung und spezielle Sportdämpfer.