Volkswagen Magazin

Die Umweltjugend aus Veracruz will 100.000 Bäume in der Sierra Madre pflanzen.

Mitten in der Nacht ist Jair aufgestanden und hat gefrühstückt. Jetzt sitzt der 15-jährige Schüler in einem kleinen Bus, der durch die Berge schaukelt. Es geht in die kleine Ortschaft Atlizacuapa, im Herzen der Sierra Madre, wo seine Schule liegt.

Feuchte Luft hängt in den Gräsern, es riecht nach warmer Erde, die aufgehende Sonne leuchtet grell über den Regenwäldern. Jairs schwarze Augen blinzeln erwartungsvoll. Er zählt zu den besten Schüler seiner Klasse. Sein absolutes Lieblingsfach ist Biologie, was ihn dazu motivierte, das Projekt „Eco Chavos“ ehrenamtlich zu unterstützen.

 

„Eco Chavos“ heißt übersetzt so viel wie Umweltjugend. Jair ist einer von 800 Schülern, die sich freiwillig für Umweltschutz in diesem Biodiversitätskorridor engagieren.

Im Rahmen des Projekts besuchen die Schüler an diesem Tag ein helles Gewächshaus, den sogenannten Nursery Garden. Ein Heer aus grünen, zarten Pflänzchen gedeiht unter dem luftigen Dach. Es sind Triebe des Bambusbaums, die hier hochgezogen und in der Region gepflanzt werden sollen. Jair lächelt stolz, als die Biologin Alejandra Tiscareño ihm einen jungen Bambus überreicht. Noch steckt er in einem Haufen Erde, den ein kleiner Plastikkübel zusammenhält. An diesem Tag sollen seine Wurzeln in einer lichteren Stelle des Waldes eingegraben werden, dort wo Rodung ihre Spuren hinterlassen hat, Erde langsam trocken und unfruchtbar geworden ist und die Tiere nach und nach verschwinden.

In mehreren Volkswagen Amarok werden die Schüler in die Sierra Madre gebracht.
An einer lichten Stelle im Regenwald wird der junge Bambus eingepflanzt.

 „Bei dem Projekt ‚Eco Chavos‘ geht es vor allem darum, dass Schüler lernen, heimische natürliche Ressourcen zu respektieren und zu bewahren“, sagt Alejandra Tiscareño. Die Biologin sucht gezielt die Zusammenarbeit mit den umliegenden Städten und Gemeinden. In der östlichen Sierra Madre läuft derzeit eine Vielzahl an Aktivitäten, bei denen Hunderte Jugendliche als Umweltbotschafter mit anpacken. Neben der Anpflanzung von Bambusbäumen werden vertikale Gärten angelegt, man versucht die Schüler für Techniken der Abfallbewirtschaftung und der organischen Düngerproduktion zu begeistern. Es geht darum, ökologische Probleme zu identifizieren und gemeinsam mit Lehrern, Städten und Gemeinden Lösungen zu finden.

Es ist auch der Verdienst von Volkswagen, dass umweltschützende Maßnahmen hier vorangetrieben werden. In nächster Nähe sitzt Volkswagen de México. Hier liegt das Werk in Puebla und einige Kilometer entfernt die Berghütte aus Bambus, die auf 4.000 Metern im wildromantischen Nationalpark Izta-Popo gebaut wurde. In den kärgeren Regionen wurden bereits 490.000 Hochgebirgskiefern gesetzt. „Es ist wichtig, dass die Schüler solche Maßnahmen hautnah mitbekommen“, sagt Alejandra Tiscareño. Gesunde Wälder sind hier von großer Bedeutung. Die Bäume fangen

den seltenen, dann aber heftigen Niederschlag auf und unterstützen damit das Einsickern von Wasser in tiefere Bodenschichten. Als flankierende erosionsvermeidende Maßnahme wurden 480 größere Erd- und Wasserrückhaltungsdämme aufgeschüttet. Weil sechs Monate pro Jahr akute Waldbrandgefahr herrscht, wurden außerdem kilometerlange Brandschutzwege gebaut.

Die Volkswagen Initiative „Think Blue.Nature.“ kooperiert bei diesem Gemeinschaftsprojekt mit der nationalen Naturschutzbehörde

CONANP, der Universität von Mexiko und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Anlass für das Engagement in der Region ist die Sorge um genügend Grundwasser, das in den trockenen Zeiten immer knapper wird. In den letzten Monaten wurde in diesem Zusammenhang auch die Grundwassersituation in der Umgebung des Volkswagen Werks Puebla detailliert untersucht. Die Wasserversorgung der Stadt mit ihren 2,5 Millionen Einwohnern hängt stark davon ab, ob die Niederschläge an den Hängen der Berge den seit Jahren sinkenden Grundwasserpegel stabilisieren.

230 Tierarten

Die Biologin Alejandra Tiscareño arbeitet seit mehreren Jahren in Naturschutzprojekten in der Region. Im Rahmen des Umweltbildungsprogramms „Eco Chavos“ lädt sie Jugendliche auch häufig zu Trips durch die Sierra Madre ein. Es geht ihr darum, dass die Schüler Probleme der Region selbst identifizieren und Lösungen entwickeln, diesen zu begegnen. „Der Enthusiasmus mit dem viele Schüler dabei sind, berührt mich sehr“, sagt sie.

Ein Thema, mit dem Alejandra Tiscareño die Kinder besonders locken kann, ist Artenschutz. Mit Schülergruppen fährt sie oft hoch hinauf, in die nachhaltig gebaute Hütte von Volkswagen, wo Energie aus Solarzellen auf dem Dach gespeist wird und alle Baumaterialien biologisch abbaubar sind.

»Unser Leben hängt von der Natur und den natürlichen
Ressourcen ab.«

Alejandra Tiscariño 

»Der Eifer der Schüler berührt uns immer wieder sehr.«

Alejandra Tiscareño und
Selene Velarde García, „Eco Chavos“

Junge Umweltschützer

CESMO steht für „Corredor Ecológico de la Sierra Madre Oriental“, was in etwa „Biodiversitätskorridor in der östlichen Sierra Madre“ bedeutet. In dem Gebiet finden zahlreiche Umweltschutzmaßnahmen statt, die Volkswagen fördert. Es umfasst vier Millionen Hektar Naturschutzgebiet, hier leben 650 bedrohte Arten, die geschützt werden müssen.

Think Blue. Nature. ist eines der zahlreichen Projekte weltweit, mit denen Volkswagen ökologische und gesellschaftliche Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung übernimmt. In Mexiko engagieren sich Jugendliche im Rahmen des Projekts „Eco Chavos“ für die Aufforstung der Wälder und die Reinigung der Flussläufe.

Unterricht im Regenwald: Schüler lernen hier viel über Flora und Fauna.

»Es dauert Jahre, eine verschwendete Ressource neu zu beleben.«

 Alejandra Tiscariño

Hier, zwischen den imposanten und über 5.000 Meter hohen Vulkanen Iztaccíhuatl und Popocatépetl, fordert Alejandra Tiscareño die Kinder auf, die Stille wahrzunehmen, den Wind zu spüren und an Pinienkernen zu riechen. Dann berichtet sie von 230 verschiedenen Tierarten, die es hier gibt – darunter Luchse, Klapperschlangen, Weißwedelhirsche und Eulen. Ab und zu waren schon Rotschwanzadler zu sehen. Wahrzeichen des Parks ist das Vulkankaninchen (Romerolagus diazi), das „Teporingo“ genannt wird. Viele Sträucher und Kräuter, die hier wachsen, zum Beispiel die Distelart Schneerose und verschiedene Salbeiarten, werden in der Umgebung als Medizinpflanzen geschätzt.
„Die Kinder sind erstaunlich interessiert und packen eifrig an, ich denke, unser Projekt wird ein Bewusstsein für Umweltschutz nachhaltig in ihnen verankern“, sagt Alejandra Tiscareño. Besonders berührend findet sie die Aussagen junger Schüler wie Jair, die nach dem Pflanzen eines Bambusbaumes bekennen: „Wenn ich etwas in der Welt ändern könnte, wäre das ein stärkeres Bewusstsein der Menschen für ihre Umwelt.“