Volkswagen Magazin

Innovation

Der Baukasten für e-Mobilität.

Mit dem Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) baut Volkswagen ein Fundament für die Mobilität der Zukunft. Aber wie genau funktioniert der MEB – und wozu brauchen wir ihn? Wir beantworten die zehn wichtigsten Fragen.

Text Joachim Hentschel
Fotos Volkswagen AG

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Was ist der MEB?

Der Modulare Elektrifizierungsbaukasten (MEB) ist ein Baukastensystem für die Herstellung von Elektroautos, das Volkswagen derzeit entwickelt. Schon die Einführung des Modularen Querbaukastens (MQB) in die Autoarchitektur bedeutete 2012 einen tiefgreifenden technologischen Systemwechsel: An die Stelle des Plattformprinzips trat ein flexibler Baukasten, der den Fahrzeugbau noch effizienter macht. Der MEB wird hier der nächste große Schritt sein: Seit 2015 wird er entwickelt, um die Stärken des MQB weiter zu optimieren – in Hinblick auf die Elektromobilität.

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Was unterscheidet den MEB vom MQB?

Als der MQB konzipiert wurde, spielte die Vision vom massentauglichen e-Fahrzeug noch nicht die zentrale Rolle, die sie heute einnimmt. Der MEB wird nun exakt auf diese Idee hin entwickelt: Wie müssen Achsen, Antriebe, Radstände und Gewichtsverhältnisse aussehen, damit ein Auto optimal für die Anforderungen der e-mobility gerüstet ist? Vor allem: Wie sehen das beste Design und die Positionierung für die Batterien aus? Die derzeit erhältlichen e-Autos von Volkswagen werden auf Basis des MQB gebaut. Das geht hervorragend – der MEB wird die Konzeption und Fertigung von e-Autos jedoch weiter optimieren.

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Wozu brauchen wir überhaupt einen neuen Baukasten?

Weil ein speziell entwickelter Baukasten wie der MEB die Herstellung von e-Autos auf lange Sicht effizienter und folglich kostengünstiger macht – und es Volkswagen somit erlaubt, seine Produktion konsequenter auf die e-Mobilität auszurichten, um der immer stärker wachsenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen nachzukommen. Allerdings haben noch weitere Faktoren Einfluss auf den zukünftigen Verkaufspreis von e-Autos – insbesondere der rasante Fortschritt in der Batterietechnik.

Das MEB-Prinzip.

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Gibt es heute schon Autos, die auf dem MEB aufbauen?

Bislang hat Volkswagen drei e-Konzeptfahrzeuge vorgestellt, die auf dem MEB basieren: den 2016 präsentierten e-Bus BUDD-e, den I.D., der beim Autosalon 2016 in Paris für Aufsehen sorgte – und den im Januar 2017 auf der Detroit Auto Show vorgestellten I.D. BUZZ, der eine Vision vom Bulli der Zukunft vermittelt. Laut Plan geht ein Kompaktwagen auf Basis des MEB im Jahr 2020 in Serie.

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Werden Autofahrer den Unterschied bemerken?

Fahrer von Volkswagen e-Autos profitieren schon heute von den Vorzügen der e-mobility. Aber bei MEB-basierten Fahrzeuggenerationen werden diese Stärken zusätzlich geschärft: volles Drehmoment aus dem Stand, der Heckantrieb und seine Vorteile bei Traktion und Beschleunigung, die – dank tief platzierter Batterie – optimierte Fahrbalance, bessere digitale Funktionen. Viele Visionen, die vor einigen Jahren noch unwichtig erschienen, werden beim Konzept des MEB gleich mitgedacht.

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Hat der MEB Konsequenzen für die Gestaltung des Fahr­zeug­innenraums?

Zentrales Element des MEB ist die Hochvolt-Antriebsbatterie. Ihre Gestalt und Platzierung spielt eine wichtige Rolle: Auf den ersten Blick sieht sie wie eine stilisierte Schokoladentafel aus, flach, zusammengesetzt aus Untermodulen. Die im Boden verbauten Teile schaffen ungeahnten Platz im Innenraum. Der I.D. zum Beispiel kommt von der Außenlänge her dem Golf nahe, bietet innen aber ähnlich viel Raum wie ein Passat. Zusätzlich wurde die Instrumententafel verkleinert, die Mittelkonsole („Physical App“) kann variabel positioniert werden – Platz ist ein wichtiger Aspekt für die Reisekonzepte der Zukunft: weitgehend automatisch fahrende Autos, in denen man auch Büroarbeit leisten oder seine Freizeit verbringen wird.

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Was sind die größten Herausforderungen bei der Entwicklung des MEB?

Punkt eins: der Faktor Vision. Beim MEB müssen diverse Komplexe mitgedacht werden, die sich erst in den kommenden Jahren technologisch konkretisieren werden – Digitalisierung, Connectivity, vollautomatisches Fahren. Wie muss eine Fahrzeug-Architektur aussehen, damit sie in all diesen Feldern möglichst viele Anwendungen und Schnittstellen ermöglicht? Hardware nachträglich in festgeschriebene Architekturen zu integrieren, ist immer ein Nachteil – digitale Schließsysteme fürs Carsharing oder Sensoren für den Autopiloten sollen daher im MEB vom Start weg angelegt sein. Punkt zwei: Effizienz und Kosten. Hier werden alle Stellschrauben gedreht, um e-mobility noch attraktiver zu machen.

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Was muss noch passieren, bis Autos auf MEB-Basis in Serie gehen können?

Seit im Jahr 2015 die Arbeit am MEB begann, wurden bereits große Fortschritte erzielt – der Abschluss der sogenannten Frühen Phase der Entwicklung steht im Frühjahr 2017 unmittelbar bevor, 2020 soll das erste e-Auto im Stil des I.D. in Serienfertigung gehen. Wie schnell sich die e-mobility dann in Zukunft verbreiten wird, hängt allerdings noch von anderen, vor allem infrastrukturellen Faktoren ab – zum Beispiel vom Zustand des öffentlichen Netzes an Ladestationen. Von Land zu Land ist die Situation hier oft noch stark unterschiedlich, aber der Ausbau geht derzeit stetig voran.

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Wird der MEB den MQB vollständig  ablösen?

Nein, das wird er nicht. Auch wenn die Rolle des Elektroantriebs im kommenden Jahrzehnt an Bedeutung gewinnt, wird Volkswagen vorerst auch weiter Autos mit Verbrennungsmotoren bauen – und dazu den MQB als Grundarchitektur benötigen. Denn obwohl man durchaus e-Autos auf MQB-Basis bauen kann – umgekehrt geht es nicht: In die MEB-Architektur passt kein Verbrenner.

Zukunftsvision: 2020 sollen die ersten Autos auf MEB-Basis in Serie gehen.

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Was bedeutet die Einführung des MEB für die Marke Volkswagen?

Laut der Strategie „Transform2025+“ will Volkswagen 2025 eine Million e-Autos pro Jahr verkaufen, verteilt auf rund 30 verschiedene Modelle quer durch die Konzernmarken. Dieses Ziel hängt ursächlich mit dem MEB zusammen: Eine Groß­serienfertigung von e-Autos ist nur auf Basis des neuen Baukastens möglich. Es geht also um weit mehr als um ingenieurtechnische Details: Der Modulare Elektrifi­zierungsbaukasten ist eine Investition in die Zukunft der Mobilität. Ein Meilenstein für die Volkswagen Vision.