Volkswagen Magazin

Es ist einer der wichtigsten Termine im Eventkalender der Automobilwelt: Vom 4. bis 7. Mai findet auch 2016 wieder das Wörtherseetreffen statt, das heiß geliebte Festival für alle Fans des Golf GTI. Mehr als 100.000 Besucher werden im österreichischen Reifnitz erwartet – es ist die 35. Ausgabe des Treffens, bei dem Tausende von teils spektakulär ausgestatteten GTI zu sehen sein werden. Unter Fans steht der Begriff Wörthersee für eine der unkonventionellsten Automessen der Welt, eine Ideenbörse und Party.
1976 stellte Volkswagen den ersten Golf GTI vor, daher steht das Fest 2016 ganz im Zeichen des 40. Jubiläums. „Back to the Roots“ ist das Motto dazu: Sammler, Tuner und Fans wollen sich in diesem Jahr besonders auf die große Tradition besinnen, in der ihre alten und neuen Autos stehen. Alles hier dreht sich um die Liebe zum GTI – es schadet nicht, sich auch während der großen Party immer wieder daran zu erinnern.

Dazu passt eines der Specials, die Volkswagen fürs diesjährige Treffen geplant hat: Am Wörthersee wird ein extra produziertes GTI Quartettspiel erhältlich sein. 700 Fans haben sich mit ihren Autos um die Plätze auf den Karten beworben, nach einem Internet-Voting standen die 32 Favoriten fest.

Wir haben uns acht Highlights aus dem Quartett näher angeschaut: Wer sind die Besitzer und Tuner? Was treibt sie an? Und was sind die Geschichten hinter ihren GTI? Viel Spaß beim exklusiven Blick hinter die
Karten – und am Wörthersee!

» Der GTI ist das Auto der Arbeiterklasse. «

Thorsten Pistor, GTI Fan

Der Rallyefahrer

Name Thorsten Pistor (39)
Wohnort Hundsangen (bei Limburg)
Beruf Tischler
Auto
Golf I Gruppe H „Rallye“

„Der Golf I GTI ist das Auto der Arbeiterklasse, das hat mir immer gefallen: Mit einem 1,6-Liter-Motor und 80 kW (110 PS) war er vom Start weg eine Taschenrakete, mit der man die Großen ärgern konnte. Meine eigene GTI Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt, als ich den Rallyesport entdeckte. Als Copilot eines Freundes nahm ich 2003 am Jubiläumssprint der Taunus Rallye teil, wir machten sogar den ersten Platz – das war der Zündfunke einer riesigen Leidenschaft. Knapp 20 Rallye-Pokale stehen heute bei mir im Schrank. Irgendwann begann ich dann, meinen 2001 gekauften Golf I laut den Vorschriften des Deutschen Motor Sport Bundes aufzurüsten: Fahrwerk, Motor, Getriebe und so weiter. 2010 beschlossen mein guter Freund Björn Wallbruch und ich dann, das Auto von Grund auf komplett neu aufzubauen, im klassischen GTI Look, mit vollem TÜV-Segen – ein Projekt, mit dem wir in vier Jahren eine gigantische Menge an Arbeitsstunden verbrachten. Heute ist er so schön und bis ins letzte Detail perfekt, dass ich vorerst nur bei reinen Asphaltveranstaltungen mit ihm fahre. Ob ich mit meinem Golf I irgendwann auch wieder auf die Schotterpiste zurückkehre? Nun ja, man soll nie nie sagen!“

» In nur zehn Tagen bauten wir den Motor neu auf. «

Andreas Czerwinsky, GTI Fan

Der Motor-Profi

Name Andreas Czerwinsky (41)
Wohnort Bottrop (Ruhrgebiet)
Beruf Servicetechniker
Auto Klasen Golf V GTI

„Meine persönliche Geschichte mit diesem Golf V GTI startete mit einem kleinen Drama. Als ich ihn im Januar 2015 vom Vorbesitzer in Süddeutschland abholte, erlitt das Auto schon auf der Heimfahrt einen Motorschaden – ich schaffte es gerade noch bis vor meine Haustür. Was tun? Zum Glück interessiere ich mich schon seit meiner Teenagerzeit brennend für Motoren, bin unter anderem gut befreundet mit Stephan Klasen, dem Chef der Firma Klasen-Motors. Und als er und meine Kumpels von dem Missgeschick hörten, sagten sie gleich: „Wir helfen dir, das Ding kriegen wir wieder hin!“ Es war ein irrwitziges Projekt. Wir waren insgesamt acht Leute, bauten erst den Motor aus, zerlegten ihn komplett, brachten Teile zur Aufbereitung, besorgten andere ganz neu, bereiteten den Umbau auf einen anderen Turbolader um, und so weiter – es ging uns auch gleich um mehr Leistung. Es klingt wie ein Wunder: Nach nur zehn Tagen fuhr der Golf wieder, besser als vorher! Einmal mussten wir seither noch mal ran, heute ist der Motor ein richtiger Kraftprotz: 500 Newtonmeter Drehmoment, bis zu 272 kW (370 PS). Und wenn man ruhig durch die Stadt fahren will, merkt man das gar nicht – ein Turbo für alle Lebenslagen.“

» Beim Fahren spürt man mehr vom Auto. «

Roland Schweighofer, GTI Fan

Der Felgenfan

Name Roland Schweighofer (29)
Wohnort Tamsweg (bei Salzburg)
Beruf Lagerist
Auto Golf I GTI

 „Als ich das erste Mal am Steuer eines Golf I saß, wurde mir sofort klar: Für mich kann es nur dieses Auto sein! Die erste Generation und wenn, dann ein GTI. Ich verliebte mich sofort: in das Kantige und Eckige – beim Fahren spürt man mehr vom Auto als bei einem Neuwagen. Jahre später, im November 2011, konnte ich mir endlich selbst einen GTI leisten. Über den Winter haben wir den Wagen dann komplett zerlegt, neu lackiert und alle rostigen Teile restauriert. Unterstützung bekam ich von meinem Bruder und einem Freund. Mein absoluter Traum ging 2014 in Erfüllung: BBS E50 Magnesium Rennsportfelgen. Glücklicherweise hatte ich den Felgenspezialisten Thomas Müller kennengelernt – eine Koryphäe in der Szene, weil er sich auf die Restauration von BBS Felgen spezialisiert hat. Er veredelte sie nach meinen Wünschen. Meistens sind die Felgen gold, wie man es im Rennsport sieht. Aber ich dachte, das passt nicht so gut zu meinem weißen Auto – und entschied mich für die Sonderfarbe Steingrau. Das Kultige an meinen Felgen ist das Null-Zoll-Außenbett. Das heißt, dass der beschichtete Stern ein wenig über die Felgen hinaussteht. Das Wichtigste am Auto? Klar, die Felgen.“

» Die Farbe Schwefelgelb brachte den Wow-Effekt. «

Ufuk Yalcinkaya, GTI Fan

Der Ästhet

Name Ufuk Yalcinkaya (36)
Wohnort Mosbach (bei Mannheim)
Beruf Maschinen- und Anlagenführer
Auto TR-DELIGHT Golf VII

 „Bei der Umbauarbeit an einem Fahrzeug ist das richtige Fingerspitzengefühl entscheidend: Was kann man modifizieren, um die Dynamik zu verfeinern, die Leistung zu steigern, das Gesamtbild hochwertiger zu machen – und wie stellt man gleichzeitig sicher, dass alles stimmig bleibt und der GTI nicht zur Kitschbude wird? Mit den Freunden aus unserer Tuning-Crew TR-Delight – in der seit 2005 rund 50 hauptsächlich türkischstämmige Auto-Freaks zusammengeschlossen sind – führe ich oft solche Gespräche über Ästhetik. Beispielsweise zerbrach ich mir lange den Kopf, wie ich die Sterne der mbDESIGN LV1 Felgen meines 2015 gekauften Golf VII lackieren lassen sollte. Rot war mir zu langweilig, da schlug einer der Administratoren die Farbe Schwefelgelb vor. Am Anfang war ich noch etwas skeptisch, ob das nicht zu grell wirken könnte – aber als das fertige Endergebnis zu sehen war, war der Wow-Effekt umso größer. So ist das eben: Jeder hat seinen persönlichen Style, am Ende spielen viele verschiedene Details zusammen. Und es ist wichtig, dass ein Auto – egal, wie leistungsfähig es ist – einen bleibenden, authentischen Eindruck hinterlässt.“

Der Racer

Name Jörg Leitner (43)
Wohnort Kürten (bei Köln)
Beruf Angestellter in einer Kunstspedition
Auto Sourkrauts Golf I GTI WBAS

„Der Rennsport-Virus hat mich schon gepackt, als ich ein kleiner Junge war. Ich besserte mein Taschengeld damit auf, Rennwagen zu waschen, wurde manchmal von Motorsport-Teams zum nahen Nürburgring mitgenommen. Mein erstes Tourenwagenrennen sah ich mit acht. Das hat meine Idealvorstellungen von Autos geprägt – die meisten, die ich auf den Straßen sehe, sind mir zu langweilig. Bei diesem GTI, den ich seit 2008 besitze, war der Plan, ihn im Look der klassischen Boliden umzubauen, die man 1976 bei Berg- oder Slalomrennen sah.

Ja, manchmal blutet mir das Herz, wenn ich bei einem so schönen Auto die Flex ansetze und eine Seitenwand heraustrenne – aber jetzt ist das Fahrzeug genau so, wie ich es haben will. Der Schriftzug stammt von der Bekleidungsfirma Sourkrauts. Und noch heute packe ich am Wochenende oft meine Freundin und Freunde – die so motorsportinfiziert sind wie ich – in den GTI, und auf geht’s zum Ring. Andere Leute verbringen den Sonntag im Stadtpark – wir drehen lieber ein paar Runden auf der Nordschleife!“

» Mein erstes Rennen sah ich mit acht Jahren. «

Jörg Leitner, GTI Fan

» Ich habe am Wörthersee viele Freunde gefunden. «

Marco Müller, GTI Fan

Der Wörthersee-Veteran

Name Marco Müller (42)
Wohnort Lindlar (bei Köln)
Beruf Kfz-Meister
Auto Sauger Power Golf I SC

„Dieses Auto habe ich im Sommer 2015 gekauft, einen Golf I SC, ein rares Sondermodell von 1980. Aber es war klar: Zur Feier des Jubiläums ,40 Jahre GTI‘ musste natürlich eine GTI Optik her. Daher habe ich den Golf extra fürs anstehende Wörtherseetreffen entsprechend umgebaut. Fan bin ich seit den frühen 90er-Jahren: Mein allererstes Auto war ein GTI, und in den letzten 15 Jahren bin ich jedes Mal die 900 Kilometer zum Treffen nach Österreich gefahren. Mein Standpunkt: Es ist wichtig, dass dort die Autos im Vordergrund stehen – aber auch die Party gehört unbedingt dazu. Ich habe am Wörthersee viele großartige Freundschaften geschlossen, mit manchen Leuten treffe ich mich auch unterm Jahr, andere sehe ich immer nur dort – umso größer ist dann die Wiedersehensfreude bei den gemeinsamen Ausfahrten. Meinen Vater – der mir damals die Freude am Schrauben vermittelt hat und heute noch öfter mithilft – würde ich am liebsten auch einmal zum Treffen mitnehmen. Aber für einen 70-jährigen GTI Fan ist es vielleicht doch etwas zu viel Party dort.“

» Nachbarn fanden die Aktion verrückt. «

Markus Bahmann, GTI Fan

Der Superparker

Name Markus Bahmann (24)
Wohnort Heidenheim (bei Stuttgart)
Beruf Bauarbeiter
Auto Golf VI GTI Edition 35

„Den besonderen Parkplatz habe ich seit Anfang 2014. Davor war hier eine Rasenfläche, eigentlich ein Bürgersteig. Bei schlechtem Wetter wurde der Platz schnell matschig – und das bedeutete, dass auch mein schöner GTI nicht lange sauber blieb, wenn ich ihn dort abstellte. Also fragte ich bei der Gemeinde nach, ob ich mir hier selbst einen kleinen Parkplatz pflastern dürfte. Da ich auf dem Bau arbeite, konnte ich die Steine leicht beschaffen, in zwei Farben. Auf das Ergebnis bin ich sehr stolz: Wie viele GTI haben schon ihren eigenen Schriftzug auf dem Parkplatz? Für die Nachbarn war die Aktion natürlich nur der nächste Beweis dafür, wie verrückt ich bin – autoverrückt. Das hat tatsächlich erst angefangen, als ich mir 2013 den GTI kaufte und die Liebe zu ihm mehr und mehr wuchs. Meine Eltern waren am Anfang nicht begeistert – mein Vorgängerauto hatte 51 kW (70 PS) gehabt, jetzt waren es plötzlich mehr als 172 kW (235 PS). Mittlerweile hat der GTI sogar 264 kW (360 PS) – aber das heißt ja nicht, dass ich rasen muss. Mein Motto: Wer langsam fährt, der wird länger gesehen und gehört. Und sehen und hören soll man dieses schöne Auto doch unbedingt.“