Volkswagen Magazin

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Einer für alle.

Auch 2016 traten 115 internationale Teams zum Konstruktionswettbewerb Formula Student Germany an. Ziel: das beste Rennauto zu bauen. Wie eine Studentengruppe diese Mammutaufgabe stemmt? Wir haben das Team aus Aachen in der Werkstatt besucht – und nachgefragt.

Text Sabrina Künz
Fotos Andreas Hempel

Wohin Berna auch kam – sie sorgte für Begeisterung. Das Design! Das Konzept! Die Details der Konstruktion! Ordnungsgemäß sollte man den vollelektrischen Rennboliden, den 80 Aachener Studenten in einem knappen Jahr gemeinsam konstruiert und im August 2016 auf die Piste gebracht haben, vielleicht mit seinem technischen Namen ansprechen: eace05. Berna ist der gruppeninterne Kosename, der von der besonders netten Ansprechpartnerin eines Kooperationspartners inspiriert wurde.

»Wir haben bei null angefangen, alles neu entwickelt.«

Am Wettbewerb Formula Student Germany hat das Team der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen in der Saison 2016 schon zum elften Mal teilgenommen – jedes Mal seit 2006, dem Startjahr des Konstruktions-Contests, der von Volkswagen unterstützt wird. Das Prinzip: Internationale Hochschulteams treten mit selbst entwickelten und gebauten Rennwagen auf dem Hockenheimring gegeneinander an. Ecurie Aix nennt sich das Aachener Team, eine Kombination aus den französischen Wörtern für Rennstall und Aachen.

In der Werkstatt in Aachen: Für 2016 wurde erstmals ein Rennwagen mit Allradantrieb realisiert.
Neue Teile und Techniken testen die Studierenden am Fahrzeug aus dem Vorjahr.

2016 konnte Ecurie Aix sich in fast allen Disziplinen verbessern. Statt wie bisher mit einem 13-Zoll-Fahrwerk, ging das Team mit zehn Zoll und Allradantrieb an den Start – die höhere Traktion des Antriebs und das fast zwölf Kilogramm leichtere Fahrwerk erwiesen sich als die Trümpfe des eace05. „Wir haben bei null angefangen, alles neu entwickelt – vom Rahmen bis zu jedem einzelnen Bauteil“, sagt Bastian Gauch, stellvertretender Leiter Technik. Beim Engineering Design Event, bei dem die Teams die Bauweise ihres Autos vor einer Jury verteidigen müssen, erreichten sie den fünften Platz, waren damit fast punktgleich mit den Topteams.

Beim Ausdauerrennen wurden die Aachener dann zwar wegen eines Problems mit dem Getriebe disqualifiziert – dennoch reichte es in der Wertung der Klasse Formula Student Electric für Platz zwölf von 38. Bei der Formula Student geht es allerdings nicht nur darum, als Erste durchs Ziel zu kommen.

Das Team Ecurie Aix hat sich deshalb entsprechend strukturiert:  in technische (Aerodynamik, Rahmen, E- und M-Antrieb, Performance, Fahrwerk) und nicht-technische Abteilungen (Sponsoring, Organisation und Marketing, Finanzen). Neben den Renndisziplinen müssen sich die Studierenden in statischen Prüfungen wie Business Presentation oder Kostenanalyse beweisen.

Und trotz langer Tage und Rückschläge war die Stimmung im Team stets gelöst und kollegial. „Die Doppelbelastung mit der Konzeptumstellung hat uns nur noch enger zusammenrücken lassen“, sagt Benedikt Buhl, Teamleiter Business. „Es ist wirklich so: Gemeinsam sind wir stark.“

Wie die Kombination aus individuellen Talenten und Teamgeist zur Erfolgsformel wird, erklären einige der Teammitglieder in den folgenden Interviews. Und eines ist klar: 2017 kommt die nächste Saison – und der Nachfolger von Berna.

Trotz langer Tage war die Stimmung stets gelöst und kollegial.

Auf der Testrennstrecke: Vor dem Wettbewerb stehen umfangreiche Checks und Probefahrten auf dem Plan.

Volkswagen und die Formula Student

Volkswagen unterstützt seit zehn Jahren Teams bei der Formula Student. Neben dem Team der RWTH Aachen profitieren auch die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel, die Technische Universität Braunschweig, die Universität Hannover sowie die Universität Bremen von den fachkompetenten Experten.

Zudem sponsert die Marke das Team der Technischen Universität Delft aus den Niederlanden. Volkswagen Mitarbeiter aus dem Personalmarketing und anderen Fachbereichen nutzen den Wettbewerb, um mit den talentierten Studierenden in den Dialog zu treten und sie über die Arbeitswelt bei Volkswagen zu informieren.

Bei den Rennen darf jedes Team zwei Fahrer einsetzen, die je zwei Versuche haben.

„Berna“ liefert schon auf der Teststrecke in Aachen eine gute Performance ab.
Die Erfolgsformel des Team Ecurie Aix: eine Kombination aus individuellen Talenten und Teamgeist.

Alle Auf­gaben­bereiche sind separaten Per­sonen­gruppen zugeordnet.

In der Werkstatt: Für 2016 wurde erstmals ein Rennwagen mit Allradantrieb realisiert.

Herausforderung für 2017: FORMULA STUDENT GERMANY goes driverless

Autonomes Fahren ist das Thema der Stunde. Deshalb wird in der Saison 2017 die neue fahrerlose Wettbewerbsklasse Formula Student Driverless (FSD) ihre Premiere feiern. Die Teams müssen dafür einen Boliden entwickeln, der in zwei verschiedenen Modi fahren kann: ohne Fahrer (autonom) und mit Fahrer (manuell). Grundlage dafür kann ein umgebautes Fahrzeug aus den Jahren 2014, 2015 oder 2016 sein – so soll sichergestellt werden, dass das Auto den technischen Anforderungen der bestehenden Wettbewerbsklassen entspricht. Schon 2016 reichten mehr als 30 Teams erste schriftliche Konzepte für die FSD ein.

»Das Fahren macht großen Spaß – es entschädigt für die langen Stunden in der Werkstatt.«

„Berna“ ging erstmals mit einem wesentlich leichteren 13-Zoll-Fahrwerk an den Start.