Volkswagen Magazin

Die kleine Gemeinde Reifnitz mit knapp 700 Einwohnern. Ein beschaulicher und pittoresker Ort am Südufer des Wörthersees in Kärnten. Ein Ferienort, der Familien zum Entspannen einlädt. Außer im Mai. Dann geht hier nichts mehr. Großflächig abgesperrt, gehört der Ort dann den Tuning-Fans. Zum 33. Mal hieß es in diesem Jahr: „Der See ruft!“ 150.000 treue Fans pilgerten zum größten Treffen der GTI Szene. Von weit her kommen begeisterte Volkswagen Anhänger, um ihre Schmuckstücke zu präsentieren und mit anderen Enthusiasten zu fachsimpeln. Über die Jahre hat sich der Wörthersee vom Geheimtipp zu einem riesigen Event entwickelt. Für viele das Highlight des Jahres. Vor malerischer Kulisse prallen hier im besten Sinne Welten aufeinander. Eine Mischung aus Familienausflug, Volksfest und Partymeile. Der junge Schrauber mit seinem hochgetunten Golf tauscht sich angeregt mit dem Oldtimer-Fan über Umbauten und Neuheiten aus. Bässe wummern aus riesigen Soundsystemen, während Eltern mit ihren Kindern an der Hand „Herbie“ anhimmeln. Abends wird zwar lang gefeiert, doch früh morgens kommen schon die ersten stolzen Auto­besitzer, die sich die besten Plätze auf der Wiese sichern. Im Mittelpunkt stehen neue und klassische Liebhaberstücke, die mit viel Herzblut gepflegt und von den Besuchern bestaunt werden. Etwas abseits der Hauptflaniermeile treffen wir Volkswagen Fans, die uns von sich und ihren Autos erzählen.

Rot und Gold dominieren das Golf III Cabrio. Ein Blick unter die Haube lohnt sich: Der Motor ist komplett gecleant.

» Gran Turismo? Ich habe keine Zeit zum Spielen. Ich schraube! ­«

Ivan aus der Schweiz 

Bei Ivans Golf III Cabrio ist auf jeden Fall mehr mehr. Besonders wenn es ums Material geht. Der Wagen ist komplett mit rotem Leder bezogen – sogar das Armaturenbrett, der Kofferraum und der Tankdeckel! Außen sind die Veränderungen vergleichsweise subtil: Türgriffe des Golf IV, verbreiterte Kotflügel, 17-Zoll-Felgen, verlängerte Motorhaube für „den bösen Blick“, um nur einige Highlights zu nennen. Der Unterbau ist komplett in Rot lackiert, alle Anbauteile vom Wagen sind von unten in Gold gehalten. Ivan besitzt seinen Golf seit zwei Jahren. Viele Umbauten hat der Schweizer selber gemacht, mit der Unterstützung seiner Kollegen vom „Schraubwerk“. Gemeinsam mit ihnen ist er zum 13. Mal am Wörthersee. Der goldene Golf III Cabrio ist das dritte Auto, das er hier vorstellt. Sein nächstes Wunschprojekt: ein luftgekühlter Typ 3.  

Mithilfe seines Bruders verhalf Anton dem stark beschädigten T2 zu neuem Glanz und seiner Familie zum perfekten Urlaubsmobil.

» 400 Stunden Arbeit stecken hier drin. Den gebe ich nicht mehr her! ­«

Anton aus Tirol 

Eine Traube von Leuten schart sich vergnügt um den farbenfrohen Bulli. Alle lachen, machen Bilder. Mehr als einer sagt, dass er den Bus am liebsten direkt mitnehmen würde. Die Wirkung des Bulli ist äußerst anziehend, aber die Fans haben Pech. Dieser Traum in Orange gehört Anton, und der hat nicht vor, ihn je wieder herzugeben. Zu viel Herzblut, Geld und Arbeitsstunden stecken darin. Dabei sah das bei der ersten Begegnung von Wagen und Anton noch ganz anders aus. Der Tiroler war extra nach Frankfurt gefahren, um sich den Bulli anzusehen. Was er vorfand, war eine Ruine. Aber als passionierter Schrauber und gelernter Lackierer sah er das Potenzial des Wagens und nahm die Herausforderung an. Über 400 Arbeitsstunden und circa 12.000 Euro Materialkosten später strahlen Bulli und Besitzer am Wörthersee um die Wette. Bis ins letzte Detail hat Anton seinen T2 mit Originalteilen restauriert. Würde er ihn verkaufen, wenn der Preis stimmt? „Auf keinen Fall! Zusammen mit meinem Bruder habe ich den Wagen bis auf den Rahmen zerlegt, gesäubert und dann wieder aufgebaut. Den gebe ich nicht mehr her!“ Gemeinsam mit seiner Familie freut der Tiroler sich schon auf die Abenteuerreisen, die noch vor ihnen und dem Bulli liegen. 

Nichts für Schüchterne. Der mattgrüne Golf VI wurde scherzhaft „Hulk“ getauft.

1.900 Kilometer fuhr der Norweger Odd-Einar mit seinen acht Kumpels von Trondheim zum Wörthersee. Vier Wagen brachten sie mit, der auffälligste sicher Odd-Einars Golf VI. Neben dem mattgrünen Lack hat der Wagen vorn GTI Elemente mit solchen aus der R-Linie kombiniert, 18- und 19,9-Zoll-Felgen zieren ihn. Alle Fenster sowie die Rückleuchten sind dunkel gefärbt, außerdem hat der Wagen ein Highend-Soundsystem im Kofferraum. Ehrensache. 20 Stunden fuhren die Mitarbeiter eines Volkswagen Händlers, haben zusätzlich 20 Stunden auf der Fähre nach Kiel verbracht. Ihr Roadtrip dauert eine Woche. Odd-Einar hat den Golf seit eineinhalb Jahren, es ist sein privates Projekt. Er ist zum dritten Mal am See, aber das erste Mal mit dem Auto hier.

» Es ist toll, wie alle auf meinen Golf reagieren – besonders auf die Farbe. ­«

Odd-Einar aus Norwegen 

» Viele Tipps zum Schrauben hol ich mir bei YouTube. ­«

Andrea aus Österreich 

Der hellblaue Golf I ist bereits Andreas 48. Auto. Wann ihre Leidenschaft begann, kann sie nicht mehr sagen. In ihrer Familie heißt es, ihr erstes Wort sei nicht „Mama“ oder „Papa“ gewesen, es war „Auto“. Seit acht Jahren treu an ihrer Seite ist Flummi, der Mischling mit Iro-Schnitt. Andrea freut sich jedes Jahr auf die Leute und Autos am Wörthersee, genießt besonders das Zusammengehörigkeitsgefühl. Seit 15 Jahren kommt sie her. Das Schrauben hat sie sich selbst beigebracht, oft mithilfe von YouTube-Videos und Anleitungen aus dem Netz. Warum Volkswagen? „Das ist schwer zu beschreiben. Ich hatte auch schon andere Autos. Aber wenn ich mich reinsetze und das VW-Logo im Lenkrad sehe, fühlt es sich einfach richtig an. Ich denke, das fließt in meinen Adern.“