Volkswagen Magazin

» Selbst Schotterpisten machten dem Passat nichts aus. «

Wave Rock, Australien
Claas T. Scholz

Im Januar 1990 fuhren unsere Eltern mit meinem Bruder und mir zum Wave Rock, im westaustralischen Outback. Mein Bruder war sieben, ich neun Jahre alt. Es war sehr heiß, um die 40 Grad Celsius. Der Passat hatte zwar keine Klimaanlage, aber wir kurbelten alle Fenster runter und drehten die Lüftung voll auf, um nicht so zu schwitzen. Mein Vater warf zwar immer mal wieder einen prüfenden Blick auf die Temperaturanzeige, aber es bestand kein Grund zur Sorge.

 

Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern brauchten wir vier Stunden für die Fahrt. Es waren angenehme Stunden, sogar die Schotterpisten und engen Wege konnten dem Passat nichts anhaben. Ungemütlich wurde es nur, wenn andere Autos uns entgegenkamen und wir auf den unasphaltierten Seitenstreifen ausweichen mussten. Hustend kurbelten wir die Fenster hoch, um den Staubwolken zu entgehen, die ins Auto hineinwehten. Leider wurde es unerträglich heiß – Minuten später öffneten wir die Fenster wieder. Bei jedem Auto dasselbe Spiel. Als wir schließlich da waren, mieteten wir uns einen Wohnwagen zum Übernachten. Der Ausflug war fantastisch.

 

Wir behielten unseren Passat anschließend noch fünf Jahre und hatten nie Probleme damit. Er war absolut zuverlässig. So sehr, dass ich mich ebenfalls für einen Volkswagen entschied, als ich meine eigene Familie gründete.

 

Lac de Longemer, Frankreich
Erich Geiger

Der rote Passat war mein erster Geschäftswagen mit Allradantrieb und Turbolader – endlich keine „Klapperkiste“ mehr! Das Ding hatte damals schon ungefähr 160 PS und konnte so unseren Familien-Wohnwagen mit Leichtigkeit bis ins französische Elsass-Lothringen und an viele andere Urlaubsorte ziehen. In Griechenland schaffte es der Passat sogar über kleine Bäche und Schotterpisten. Dieses Bild zeigt mich am 1. Mai 1992 mit meiner Tochter Lisa nahe dem Lac de Longemer – eigentlich wollte ich dort windsurfen, aber das Wetter spielte leider nicht mit.

 

Varel, Deutschland
Dieter Schneider 

Ich kam eher durch Zufall zu meinem Passat. Zuvor hatte ich einen anderen Gebrauchtwagen, der jedoch nach kurzer Zeit komplett durchrostete. Da ich jung und knapp bei Kasse war, musste ein verlässlicher Wagen her. Ich besorgte mir einen sechs Jahre alten Passat. Das Bild entstand auf einem spontanen Ausflug nach Ostfriesland. Freitags nach der Arbeit packte ich den Passat voll und fuhr von Solingen nach Varel. Dort überraschte ich meine damalige Freundin, die mit ihren Eltern in Ostfriesland Urlaub machte. Insgesamt hatte ich den Passat vier Jahre. Seitdem fahre ich Volkswagen. Allerdings mittlerweile einen Tiguan.

 

» Danke, Gelber, für die gute Zeit! «

Bibione, Italien
Brini Volkmann

Es gibt Kindheitserinnerungen, die begleiten einen ein Leben lang. In meinem Fall „der Gelbe“.

Sobald bei uns zu Hause jemand von ihm spricht, ploppen in meinem Kopf tausend Bilder auf, von Sommerurlauben, Abenteuern und längst vergessenen Momenten. „Der Gelbe“ bezieht sich nicht auf einen Verwandten mit Leberschaden, sondern war der Kosename unseres legendären Passat TS, Baujahr 1975. Sein Heck zierte ein Sticker mit drei Enten, ein Bild, das sich für immer in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Der passte perfekt zum Rallye-Gelb des Passat.

 

Im Sommer schlug unsere große Stunde. Damals, Mitte der Achtziger, packten meine Eltern einen Berg Bade- und Wandersachen, Kühlboxen mit Proviant, meinen Bruder und mich ins Auto und ab ging die Fahrt. Sechs Wochen Italien! Mein Platz war hinten links, sicher verpackt von Mama im stylischen orangenen „Römer“-Kindersitz. Bis heute weckt die Erinnerung an den Plastikgeruch der Auflage und wie meine Beine bei dreißig Grad am Material festklebten ein leichtes Unwohlsein. Aber wo der verwöhnte Erwachsene eine anstrengende Ochsentour sieht, war für mich damals die Fahrt vom Rheinland über den Brennerpass nach Bozen und später weiter an die Adria im Passat ein großes Abenteuer. Nach jedem Nickerchen wartete eine neue Landschaft auf mich, fremde Orte, riesige Berge und schließlich das langersehnte Meer. Danke, Gelber, für die gute Zeit!

 

Olfen, Deutschland
Nils Lindheimer

Die große Freiheit kam am Tag meines Abiturs: Sie war silber, tankte Diesel und hatte so viel Platz, dass ich mit nur einer Tour aus dem elterlichen Haus in Olfen ins Studentenwohnheim nach Gießen umziehen konnte. Der Hund hieß übrigens George.

 

» Der Passat war mein Ticket in die Freiheit. «

Nationalpark Dajti, Albanien
Johan Baguca

Bis zum Untergang des Ostblocks zählte meine Heimat Albanien zu den isoliertesten Ländern der Welt, man konnte das Land schwerlich besuchen, geschweige denn es verlassen. Was unter anderem auch bedeutet, dass es sehr wenige Autos gab. Westliche Autos schon mal gar nicht. Nach dem Regimesturz im Herbst 1990 änderte sich das schlagartig. Auf einmal sah man jede Menge westliche Fabrikate auf den Straßen. „Made in Germany“ war besonders populär.
Im Dezember 1991 erwarb mein Vater einen Volkswagen Passat 1.6 Diesel, Baujahr 1986. Das erste Auto der Familiengeschichte. Mein Vater fuhr ihn fast 16 Jahre lang. 1994 kam ich zur Welt. Ich war sechs, als ich zum ersten Mal vorne sitzen durfte. Es war Liebe auf den ersten Blick. In jeder freien Minute saß ich fortan auf dem Fahrersitz und tat so, als ob ich das Auto höchstpersönlich durchs Land lenke. Jahrelang war Hinterm-Steuer-Sitzen meine Lieblingsbeschäftigung.

 

Am Wochenende fuhren wir oft zum Dajti-Berg nahe der Hauptstadt Tirana. Die Passat Fahrt mit Fußballspiel und Picknick wurde zur Familientradition.
Mein Vater hatte geschäftlich in Athen zu tun. Mein älterer Bruder und ich probierten, ihn stets zu überreden, uns mitzunehmen, oft mit Erfolg. Die rund 1.500 Kilometer hin und zurück waren nicht gerade eine Spazierfahrt, die Straßen größtenteils in miserablem Zustand. Wir fanden es jedes Mal wunderbar. Einmal kam Vater allein aus Athen zurück, im Schlepptau einen Landsmann, der seinen ganzen Hausstand im und auf dem Passat verstaut hatte, von der Couchgarnitur bis zur Waschmaschine.
Der Tag im Juli 2007, als mein Vater den Passat verkaufte, war ein trauriger Tag für mich. Ich schrieb „Johan Baguca, Tirana, Albania, 2007“ auf einen Zettel. Dann entfernte ich vorsichtig die Verkleidung des Lenkrads, genau zwischen den beiden Huptasten, und klebte das Papier mit etwas Tesafilm an der Lenkradsäule fest. Ich hoffe, dort hängt es bis heute.

 

» Der Tag, als mein Vater den Passat verkaufte, war ein trauriger Tag für mich. «