Volkswagen Magazin

Produkte und Lösungen zu finden, die es Menschen leichter machen, nachhaltig zu leben – das ist die Grundidee von Think Blue. Im Rahmen dieser Aktion ist Volkswagen auf einen umweltbewussten Trend aufmerksam geworden. Upcycling – dabei geht es darum, gebrauchte Gegenstände in neue, schicke Einzelstücke zu verwandeln. Designer von Volkswagen ließen sich in einer Berliner Werkstatt auf ihr Upcycling-Potenzial testen. Aus Kisten mit gebrauchten Gegenständen haben sie eine Garderobe, einen Schlüsselparkplatz oder eine Seifenkiste für Kinder konstruiert. Während die Kreativen gebohrt, geschraubt und geklebt haben, sprachen wir mit der Modedesignerin Carina Bischof über das Aufregende am jüngsten Nachhaltigkeitstrend.

Frau Bischof, wie würden Sie den Begriff Upcycling definieren?
Beim Upcycling werte ich etwas Bestehendes – ein Material oder einen Gegenstand – zu einem höherwertigen Produkt auf. Indem ich es in einem anderen Kontext verwende, erhält es einen neuen Wert. Der Used Look ist das besondere Design-Feature.

Seit wann ist es Trend?
Den Nachhaltigkeitsgedanken gab es schon in den 80ern. In den letzten Jahren hat sich der Trend mit der Debatte um Recycling und dem Secondhand-Gedanken immer weiter verbreitet.

Wie haben Sie das Thema für sich entdeckt?
Ich habe bei der Londoner Designerin Orsola de Castro gearbeitet. Sie ist die Pionierin des Upcycling und arbeitet mit Industrieresten aus italienischen Webereien und Strickereien. Ihre Produkte haben mir sehr gut gefallen, sie sehen ganz und gar nicht öko aus. 

Woraus upcyceln Sie?
Aus Stoffballen, die Einkäufer nur zur Präsentation von Farbe und Material nutzen. Diese Stoffballen werden eigentlich entsorgt, dabei umfassen sie 40 mal 60 Meter. Ich kaufe sie auf und fertige daraus Hemden und Blusen. 

Beim Upcycling überlegen sich Designer eine neue Verwendung für ein gebrauchtes Produkt. Wie kommen sie auf Ideen?
Wir verlieben uns in Materialien und überlegen uns einen neuen Kontext für sie. Ein Kollege von mir mochte beispielsweise die Arbeitsbekleidung von KFZ-Mechanikern oder Malern, weil die verwendeten Stoffe sehr hochwertig sind. Er stellt daraus Maßanzüge her. Dazu benutzt er die Originale, schneidet Hosen und Jacken auseinander und setzt sie zu neuen Flächen zusammen. Diese Anzüge sehen einerseits sehr edel aus, haben auf der anderen Seite einen tollen Used Look.

» Wir verlieben uns in Materialien und finden einen neuen Kontext dafür. «

Carina Bischof, Designerin

Schlüsselparkplatz

Was konstruieren Upcycling-Designer noch so?
Portemonnaies oder Schmuck, zum Beispiel aus Autoreifen. Lampen sind sehr beliebt. Ein Kollege von uns hat sich zum Beispiel in das Material und die Form von Gießkannen verliebt. An einer Gießkanne hat er zum Beispiel Schläuche befestigt, aus denen Glühbirnen hängen. Das sieht so aus, als ob die Gießkanne Licht ausschütten würde. Toll finde ich auch Kronleuchter, die aus Kleiderbügeln hergestellt werden. Oder nehmen Sie Musikinstrumente, sie lassen sich ebenfalls wunderbar zu Lampen umfunktionieren. In der Wohnung wirkt das richtig charmant.

Sind diese Produkte eigentlich günstiger?
Nicht unbedingt. Bei Kleidungsstücken müssen wir die Stücke ja einzeln zuschneiden. Dafür ist es eben ein Produkt, das in Deutschland handgefertigt wurde. Es ist Maßarbeit und keine Massenware, außerdem ist es nachhaltig.

Wer kauft Upcycling-Produkte?
Menschen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist. Architekten oder Kreative mit einem Verständnis für Design. Solche, die bei Lebensmitteln ganz bewusst auf Bio achten, denen das Thema Umweltschutz wichtig ist.

Haben Sie Tipps für alle, die Lust haben, Upcycling selbst auszuprobieren?
Wichtig ist es, sich das Material anzuschauen und in einen anderen Kontext zu setzen. Ein ganz einfaches Beispiel ist die gebrauchte schöne Dose, die gut als Stiftebox funktioniert. Oder die Flasche, in der eine Blume gut aussieht. Im Internet findet man zahlreiche Tutorials, die Anleitungen geben, wie man aus gebrauchten Materialien schöne Möbel herstellen kann.

Lust, selbst zu bauen?

Designer von Volkswagen haben unter anderem eine Seifenkiste, eine Garderobe und einen Schlüsselparkplatz konstruiert. Die Entstehungsgeschichte wurde aufgezeichnet und ist – neben weiteren Anleitungen und Geschenkinspirationen – auf der Think Blue. Website zu sehen.
Carina Bischofs Werke sind zu sehen in „The Upcycling Fashion Store“, Anklamer Straße 17, 10115 Berlin.

Garderobe